Der Verein Tenna Hospiz hat an der diesjährigen Fachtagung der Walder Stiftung zum Thema “Altern in Würde — gemeinsam oder allein?” als VertreterInnen der zivilen Gesellschaft teilgenommen. In einem bunten Gemisch von Experten und Expertinnen, von politischen EntscheidungsträgerInnen und GesetzgeberInnen, Think-tankern, ForscherInnen und StiftungsvertreterInnen haben wir uns mit der Zukunft der gesellschaftspolitischen Diskussion zum grössten Bedürfnis einer alternden Bevölkerung – nämlich der Betreuung und Begleitung –  und dem Thema der Schnittstelle zwischen Sozial- und Gesundheitsbereich auseinandergesetzt.

Die Tagung war darauf ausgelegt, Lösungsansätze zu formulieren. Es wurden Projekte wie die “sorgenden Gemeinschaften” im Kanton Bern oder das Alterszentrum Lindenhof in Oftringen vorgestellt, welches das Pflegemodell 2030 von CURAVIVA heute schon weitgehend umgesetzt hat. Sie haben aus Erfahrung über den neuen Ansatz eines integrierten Gesundheits- und Sozialdienstleistungszentrum berichtet. In einem andern Workshop wurde darüber referiert, dass die Alltagsbewältigung die Lösung der Zukunft sein wird (in meiner Meinung ist das ein Lösungsansatz, der seit Anbeginn der Menschheit praktiziert wurde). Neu heisst das allerdings “Integrative Aktivierende Alltagsgestaltung”. Und die neuen Freiwilligen wurden auch klar von den bisherigen Freiwilligen unterschieden. Auch die Tatsache, dass eine vernetzte Zusammenarbeit aller spezialisierten Dienste im Gesundheitswesen- und Sozialwesen wünschenswert und zukunftsträchtig ist, wurde thematisiert.

Der Kern der Tagung war der Bericht der Studie “Gute Betreuung im Alter – Perspektiven für die Schweiz” der Paul-Schiller-Stiftung. Die Studie formuliert, aus Expertensicht und wissenschaftlich fundiert, sieben Forderungen für die Alterspolitik der Zukunft in der Schweiz. Die Hauptforderung ist, dass der zunehmende Betreuungsbedarf in unserer Gesellschaft irgendwie finanziert werden muss, weil den Familien die Ressourcen ausgehen, und weil die Frauen und Freiwilligen nicht noch mehr leisten können. Es war kaum erstaunlich, wie breit der Konsensus war unter den teilnehmenden Expertinnen und Experten, dass entweder die Krankenversicherer oder der Staat – also am Ende die Prämien- und Steuerzahler – ein in Zukunft gesetzlich verankertes Recht auf gute Betreuung im Alter bezahlen sollen.

Was mir gefehlt hat, ist eine kritische Auseinandersetzung mit der anderen Seite der Buchhaltung: Wer verursacht welche Kosten? Wessen Pfründe und Privilegien sind heilig im heutigen System? Zum Glück gab es eine Stimme, die sich einsetzte für einen Primary Health Care Ansatz (der von der WHO im Jahr 1978 definiert wurde) als Alternative zu unserem akut-medizinischen Behandlungssystem, das erwiesenerweise die Bevölkerung zwar länger  und effizienter behandelt aber nicht wirklich gesünder macht, noch volkswirtschaftlichen Realitäten Rechnung trägt.

Was mir auch gefehlt hat sind die TräumerInnen und VisionärInnen. Neue Ideen kamen keine zur Sprache (obwohl ich einigen gehörten Wortschöpfungen durchwegs eine gewisse Kreativität einräume). Aber am Ende war viel von den Betroffenen und Freiwilligen die Rede; das Wort hatten in einer Selbstverständlichkeit die ExpertInnen, die nun sich Gedanken machen, bei wem Handlungsbedarf besteht, die nun weitere Grundlagen schaffen wollen, die Bevölkerung sensibilisieren wollen, und einen kollektiven Lernprozess starten wollen – alles schön von oben herab, und das mit dem Anspruch keine zusätzliche Bürokratie zu schaffen.

In einem zukünftigen Beitrag werde ich mich damit auseinandersetzen, dass der Verein Tenna Hospiz – ohne Expertenwissen – ein Beherbergungs-, Betreuungs- und Pflegemodell vorschlägt, das die sieben Forderungen der Paul-Schiller-Stiftung nicht nur studiert, sondern konkret umsetzt und dazu nicht einmal zusätzliche Finanzierungsmechanismen fordert.

Das abgebildete Phasenmodell ist die graphische Zusammenfassung einer zukunftsgerechten Betreuung (aus dem Bericht “Gute Betreuung im Alter – Perspektiven für die Schweiz” der Paul-Schiller-Stiftung). Die Wohngemeinschaft im der “Alten Sennerei” Tenna wird alle sechs Phasen der guten Betreuung im Alter abdecken können.