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“What’s left for her in this world” (1998) by Tenyoh (photo credit: Yoko Sugawara)

Die Frage nach dem Stellenschlüssel beim Hospiz Projekt in der “Alten Sennerei” begegnet mir sehr oft. Denn die Fragenden verbinden damit die Unmöglichkeit des Modells, mit 6 Wohneinheiten kostendeckend eine sozial-medizinische Institution führen zu können. Wir kennen alle die Geschäftigkeit in einem Spital oder einem Heim, wo Menschen in verschiedenen Uniformen dauernd mit ihrer eigenen Dringlichkeit irgendwelche Abklärungen oder Behandlungen machen müssen.

Die Vorgaben sind klar: Gemäss palliative.ch (2012) braucht es für eine Sozialmedizinische Institution mit Palliative-Care-Auftrag:

Berufsgruppen/ Personalausstattung

  • Ärztliches Personal täglich während 24 Stunden erreichbar und innerhalb notwendiger Zeit auf der Station verfügbar
  • Dipl. Pflegefachpersonal während 24 Stunden präsent (1,2 VZ-Stelle pro Bett)
  • Anderes Pflegepersonal
  • Andere Berufsgruppen: Fachpersonen der Physiotherapie, Psychologie, Psychotherapie, inkl. Musik-/Kunsttherapie, Sozialarbeit, Ergotherapie, Logopädie, Diätassistenten/Ernährungsberatung verfügbar
  • Seelsorge verschiedener Konfessionen verfügbar
  • Psychosoziale u. spirituelle Betreuung jederzeit kurzfristig verfügbar
  • Liste mit externen Konsiliarärztinnen und -ärzten (z.B. Anästhesie, Psychiat- rie)
  • Freiwillige Mitarbeitende nach Bedarf präsent

Technische Ausstattung

  • Sauerstoff
  • Absaug-Gerät
  • Schmerzpumpen (Spritzenpumpen)
  • Perfusoren und Infusomaten
  • Anti-Dekubitus-Matratzen

Räumliche Ausstattung

  • Wohnliche Atmosphäre, Patientenbereiche ausgestattet gemäss den Normen für hindernisfreie Bauten
  • 1- und 2-Bett-Zimmer mit Nasszelle
  • Übernachtungsmöglichkeiten für nahestehende Bezugspersonen
  • Stationsbad
  • (Wohn-)Küche
  • Verabschiedungs-/Meditationsraum, multifunktionell nutzbar
  • Räumlichkeiten für soziale und therapeutische Aktivitäten, multifunktionell nutzbar
  • Aufenthaltsbereich für nahestehende Bezugspersonen

Mindestgrösse Selbständige Organisationseinheit mit eigenem Team mit mindestens acht Betten.

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Die Fachsprache, die von Betten ausgeht, von Personalausstattung spricht und anderen technischen Jargon betont, verpasst die Direktheit und die menschliche Nähe, die den effektiven und existentiellen Bedürfnissen der Betroffenen und ihren Angehörigen gemäss aktueller Forschung und Erfahrung entspricht.
Das Projekt “Alte Sennerei” und das Hospiz Modell, das vom Verein Tenna Hospiz realisiert wird, bietet eine 24 Stunden Präsenz an, die verspricht – nebst der spezialisierten Palliative Care gemäss schweizerischem Standard – die übelste aller Krankheiten am Lebensende, nämlich die soziale Isolation und Einsamkeit, zu verhindern. Und dies nicht mit einer Auflistung von mindestens acht Berufsgruppen, die alle gut verdienen wollen, unter ärztlicher Dominanz.
Die Gemeinschaft Sonnenhügel (Haus der Gastfreundschaft) in Schüpfheim hat dazu das Thema “Ist da jemand?” in ihrem Jahresbericht  stimmig hervorgehoben und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Ja, da ist jemand. Immer. Nicht nur zu Bürozeiten. Und nicht gegen Bezahlung. Das macht einen Unterschied.

Im Projektbeschrieb “Alte Sennerei” des Vereins Tenna Hospiz ist dies folgendermassen beschrieben:

Leben in Würde und die Menschlichkeit sind die Leitmotive des Projektes. Die Innovation des Projektes “Alte Sennerei” liegt im Modell einer Wohngemeinschaft für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und Fachpersonen; ebenso innovativ ist die Synthese von stationärem und ambulantem Hospiz- und Pflegeangebot.

Die Initianten des Vereins Tenna Hospiz gehen davon aus, dass jeder Mensch in jeder Lebensphase selbstbestimmend ist und Fähigkeiten hat, die für die Gemeinschaft eingesetzt werden können. Auch im Betrieb der Wohngemeinschaft “PflegeWeGe” werden diese individuellen Fähigkeiten eingesetzt und als wertvolle Beiträge anerkannt. Pflegebedürftige sollen nicht einfach ‘behandelt’ werden, sondern – wenn möglich und gewollt – im Alltag einbezogen bleiben. Pflegende Angehörige werden ebenso liebevoll einbezogen und entlastet, nicht ersetzt. Pflegekräfte und Fachpersonen sind engagierte Mitmenschen, welche die Unterstützung für die Leute im letzten Lebensabschnitt erweitern, nicht externe Expertinnen.

Ist jemand da? Ja, so wird es sein. Auch wenn das als Businessplan schlecht darzustellen ist.