(photo credit: Eidg. Finanzverwaltung)

Als Präsident des Vereins Tenna Hospiz werde ich immer wieder gefragt, wie denn der Kanton, respektive die öffentliche Hand, das Projekt “Alte Sennerei” unterstützt. Die gängige Vorstellung ist, dass sozial-medizinische und Pflege-Institutionen mit staatlichen Finanzhilfen im Interesse der Allgemeinheit gefördert werden. Meine Antwort ist für viele enttäuschend oder unverständlich.

Der Verein Tenna Hospiz hat sich bei der Konzeptentwicklung dafür entschieden, das im Altersleitbild des Kantons Graubünden von 2012 offerierte alternative Pflege- und Betreuungsangebot für ältere Menschen unter dem Begriff “Senioren-Wohngemeinschaft” umzusetzen.

Das Gesundheitsamt Graubünden definiert eine Senioren-WG wie folgt:

“Mehrere Personen teilen sich eine grössere Wohnung oder ein Haus. Neben dem Individualraum (Zimmer oder Kleinstwohnung) werden die übrigen Räume und die Umgebung gemeinsam genutzt. Gegenseitige Unterstützung und Hilfeleistung werden vereinbart. Pflege und Betreuung durch örtliche, regionale oder private Spitex Dienste, wie beim Wohnen in der eigenen Wohnung.”

Zur Finanzierung gibt der Kanton folgendes vor:

“Die Finanzierung von Bau und Betrieb ist privat. Leistungen anerkannter Spitex Dienstleister werden durch die Gemeinden, den Kanton und die Krankenversicherer mitfinanziert.

Dadurch ergeben sich keine Vorgaben bezüglich Bewilligungen und Anerkennungsverfahren.

Also, meine Antwort ist, dass die öffentliche Hand das Projekt “Alte Sennerei” – pflegegerechter Wohnraum für den letzten Lebensabschnitt nicht finanziell unterstützt. Mit einer Ausnahme. Der Verein hat ein Gesuch an die Standortförderungskommission der Gemeinde Safiental gestellt. Diese hat einen einmaligen Beitrag von CHF 30’000 für den Bau des einzigen hindernisfreien und pflegegerechten Wohnraums im Tal gesprochen. Indirekt hat auch die Gemeinde Safiental beim Verkauf der Liegenschaft “Alte Sennerei” einen Vorabbeitrag geleistet, indem sie für das Grundstück nicht einen höchstmöglichen Marktwert verlangt hat, sondern dieses zu einem angemessenen Schätzungswert veräussert hat.

Was leistet denn der Verein Tenna Hospiz für die öffentliche Hand?

Es ist noch sehr verfrüht und spekulativ zu behaupten, dass das Betriebsmodell der Pflege WG in der “Alten Sennerei” dereinst die Gesundheitskosten der Mitbewohnenden dämpfend beeinflussen wird. Die erwarteten Beherbergungs- und Betreuungskosten werden gemäss heutigen Berechnungen deutlich unter dem Ansatz eines Alters- und Pflegeheims in der Region liegen. Das wird erstens die Betroffenen und deren Familien entlasten; bei fehlendem Einkommen und erschöpftem Vermögen aber auch die Gemeinde und den Kanton, die bei finanziellem Bedürfnis Ergänzungsleistungen ausrichten werden.

Auf Grund der Übersicht zur Jahresrechnung 2019 des Vereins Tenna Hospiz kann bereits heute festgehalten werden, dass der Verein bis dato CHF 89’000 an Abgaben, Gebühren und Steuern bezahlt hat, die von einem Gesetzgeber vorgeschrieben sind. Bis das CHF 3 Mio Bauprojekt vollendet sein wird, wird der Verein zusätzlich mehr als CHF 250’000 an Mehrwertsteuer an die Staatskasse abliefern. 

Da darf ich doch mit einigem Stolz feststellen, dass dieser kleine, gemeinnützige Verein mit einem Traum aus jedem erhaltenen Spendenfranken einen beachtlichen Beitrag an die öffentliche Hand leistet!