Für sieben Monate wählte Michel die Wohngemeinschaft in der Alten Sennerei in Tenna als seinen Wohnsitz. Er kam gesundheitlich geschwächt nach Tenna, erholte sich aber gut. Er nahm aktiv Teil am Gemeinschaftsleben und kümmerte sich auch um das Wohlergehen der hausnahen Tiere. Er sprach mit der Katze, die regelmässig am Küchenfenster vorbeischaut; und er nahm Anteil am Geschehen am Vogelhaus, welches direkt vor seinem Fenster bereit steht für die gefiederten Tiere, welche den Winter im Safiental verbringen.
Michel war ein Bergler. Er wuchs im Safiental auf, es zog ihn immer in die Natur. Er hatte eine Gabe, Dinge zu beobachten – auch langfristig. Schon in seiner Jugend begann er, Geweihe und Gehörn von verunfallten Tieren auf seinen Berggängen zu sammeln. Auch Kristalle und andere Schätze. So entstand über Jahrzehnte hinweg eine beachtliche Sammlung, welche er pflegte. Zu jedem Fundstück wusste er auch eine Geschichte. Er war unter Freunde bekannt als „Hòòra.-Michel“.
Nach seinem Umzug in die Wohngemeinschaft Alte Sennerei erkundigte er sich, ob nicht ein Teil seiner Sammlung Platz finden könnte im Haus. So wurden ausgewählte Stücke zugänglich auch für eine breitere Öffentlichkeit. Das grösste Stück passte in keine Vitrine: der 12-jährige Steinbock ziert nun das Treppenhaus in der Alten Sennerei – zum Erstaunen aller.
Michel verbrachte etwa 20 Sommer auf der Alp. Er arbeitete im Wald, auch als Betriebshelfer in der Landwirtschaft, oder fütterte in einem abgelegenen Stall das Vieh für einen Bauern. Er kam gut zurecht mit der Einsamkeit und der Abgeschiedenheit. Dennoch blieb er mit dem Geschehen in der Welt verbunden. Er traf als Hirt im Rheinwald Bruno Manser, der sich für die Regenwälder in Borneo und das Volk der Penan einsetzte, bevor er eliminiert wurde. Die Anliegen Mansers blieben Michel immer nahe.
Michel hatte auch Sorge getragen zu seinem Bruder, der mit Behinderung lebte, nachdem deren Eltern beide verstorben waren.
Während seiner Zeit in der Alten Sennerei in Tenna hatte er zum Welt-Hospiz-Tag die Gelegenheit, Regierungsrat Peter Peyer zu treffen. Er errinnerte den Gesundheitsminister, dass er auch ein ‚Kostenfaktor‘ sei – aber in erster Linie ein Mensch, der sein Leben in Würde selbstbestimmt leben möchte und seinen Beitrag für die Gesundheit aller leiste..
Das hat er gemacht – bis zuletzt.
Michel, nun bist du auf einer anderen Reise. Wir wünschen dir alles Gute! Das Wissen und die Erfahrung über die vielfältigen Zusammenhänge der natürlichen Um- und Mitwelt nimmst du mit. Ein Teil deiner Sammlung bleibt hier – als Erinnerung. Auch als Mahnung für alle, Sorge zu tragen für alles Belebte und Unbelebte.



Berührt bin ich nach dieser Nachricht. Michel hat unsere Welt verlassen und geht seinen Weg weiter. Und ja, wie so liebevoll und eindrücklich beschrieben, habe ich Michel im Kopf und Herzen. So fein, dass er diese Monate bei Euch verbringen konnte.
Ich grüße Euch alle herzlich Barbara